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Unter einem Stehversuch versteht man im Fliegerrennen (Bahnradsport) ein taktisches Manöver, bei dem beide Kontrahenten während der Vorbereitungsphase, d.h. in den ersten beiden Runden (von i.d.R. drei) auf der Stelle stehen zu bleiben. Vordergründiges Ziel dieses Manövers ist es, den jeweils hinten liegenden Fahrer in die führende Position zu bringen, weil die hintere Position taktische und strategische Vorteile bringt (vgl. Sprinter-Abstand).

Insgesamt jedoch ist das Manöver eingebettet in ein mehr oder weniger vorausgeplantes strategisches Konzept mit folgenden Zielen:

  • Verschleppung des Tempos, um – in erster Linie aus Sicht des vorausfahrenden Fahrers – die eigene Antrittschnelligkeit entscheidend in die Waagschale werfen zu können.
  • Irritation des Gegner, sowohl psychische als auch physische Zermürbung.
  • Einnehmen der günstigeren zweiten Position im Rennen.

Ausführung des Stehversuchs Bearbeiten

Unabdingbare technische Voraussetzung für die Durchführung ist der sogenannte starre Gang am Bahnrad. Dieser wird dazu genutzt, den Stehversuch folgendermaßen auszuführen:

  • Der führende Fahrer positioniert sich in sehr langsamer Fahrt auf der Ziel- oder Gegengeraden, meist an ihrem Ende bzw. im Übergangsbereich zur Kurve, im oberen Bahndrittel, oft in großer Nähe zur Ballustrade.
  • Zu Beginn fährt er bei weiter stetig verlangsamter Fahrt (von ca. 7–10 km/h auf deutlich unter Schrittgeschwindigkeit) zur Einleitung des Stehversuchs ein wenig nach unten (links auf der Bahn) und kontert (d.h. hält gegen die sich drehende Pedale) dabei mit dem linken Bein. Hierdurch bringt er das Rad zum stehen.
  • Annähernd gleichzeitig schlägt er den Lenker nach rechts ein. Durch das Abkontern und das rechts einschlagen (bewirkt, daß der Schwerpunkt der Einheit Rad/Fahrer angehoben wird, wenn er nach vorn fährt) einerseits und die grundsätzliche Abwärtsausrichtung hat er nun die Möglichkeit, durch leichtes Vor- und Zurückfahren seine Stellung auszubalancieren und zu stabilisieren wie beim Stehen in einer Mulde. Dabei ist es laut Reglement verboten, mehr als 30 cm rückwärts zu fahren und auch ein Springen mit dem Hinterrad ist nicht erlaubt, wird aber von den meisten Kampfgerichten geduldet.
  • Das Springen mit dem Hinterrad erfüllt eine sehr wichtige Funktion und ist seitens der Fahrer kaum verzichtbar: Zum einen kann dadurch die Pedalstellung, die annähernd waagrecht sein sollte, immer wieder auch bei zentimeterweisem Vorfahren wieder hergestellt werden, andererseits kann der Fahrer so seine Pedalstellung an die des Gegners anpassen, was auch für spätere Antritte von Vorteil ist.
  • Der Stehversuch wird in der Regel im Stehen (daher kommt aber nicht der Name), d.h. mit aus dem Sattel gehobenem Hinterteil ausgeführt, allerdings versuchen viel Fahrer eine die Muskulatur schonende Haltung einzunehmen und sich entweder im Verlauf wieder zu setzen oder die Oberschenkel an die Flanken des Sattels zu legen, um eine zusätzliche Stabilisierung zu bewirken.

Auswirkungen auf die MuskulaturBearbeiten

Aufgrund der Tatsache, daß die an sog. konzentrische Muskelarbeit gewöhnte Muskulatur hier statische Haltearbeit verrichten muß, kommt es im Verlaufe des Stehversuchs zu einer starken Milchsäureanreicherung in der Muskulatur, so daß das vordergründige Ziel (vgl. oben) sehr schnell hinter das Zermürbungsziel zurücktritt: Der Fahrer soll bereits in der Vorbereitungsphase ermüdet werden. In der Regel werden die letzten 200 m bei einem Fliegerrennen, in dem es zum Stehversuch kommt, mit einer 5–10% niedrigeren Geschwindigkeit absolviert.

Wichtig ist außerdem, daß der Stehversuch stets in der Stellung: rechter Fuß vorn, Pedalstellung annähernd waagrecht, Vorderrad nach rechts eingeschlagen durchgeführt wird. Beherrscht ein Fahrer den Stehversuch, jedoch nur in der umgekehrten Stellung – dies hängt i.d.R. davon ab, was sein Standbein beim Stehen auf dem Boden ist – so nutzt ihm das für den Stehversuch beim Bahnsprint überhaupt nichts.

ReglementBearbeiten

Stehversuche können sehr lange ausgeführt werden (bis zu über einer Stunde), sind aber laut Reglement in den letzten Jahren auf 30 s beschränkt worden. Nach Ablauf dieser Zeit werden die Fahrer darauf hingewiesen und durch Pfiff angewiesen, die Fahrt fortzusetzen. Dies hat unverzüglich zu geschehen.

Im Jahre 1967 wurde ein Stehversuch bei der italienischen Meisterschaft zwischen Sergio Bianchetto und Giovanni Pettenella nach 63 min abgebrochen, weil Bianchetto aufgrund von Krämpfen und Kreislaufproblemen vom Rad fiel. Pettenella setzte den Stehversuch fort bis zum Abbruch durch den Kampfrichter, obwohl er auch das Rennen durch Weiterfahren bis zum Ablauf der vorgesehenen Renndistanz hätte siegreich beenden können.

WeblinksBearbeiten

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