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Im Bahnradsport ist der Schleudergriff eine Form der Ablösung beim Zweier-Mannschaftsfahren.

Während in den Anfängen des Bahnradsports noch „auf Sicht“ (ohne Berührung des anderen Fahrers) abgelöst wurde und nach dem Krieg lange Zeit die Anschiebetechnik, also das Anschieben des Partners (Beschreibung s.u.) praktiziert wurde, wird der Schleudergriff seit den 70er Jahren (zunächst nur bei Profis) benutzt, um den „Schwung“ des hinteren, schnelleren Fahrers auf den vorderen Fahrer, der „ins Rennen geschoben“ wird, zu übertragen.

Ausgangspunkt dieser Technik ist das Reglement beim Zweier-Mannschaftsfahren: Von den beiden auf der Bahn befindlichen Sportlern befindet sich immer nur einer im Rennen, d.h. in der Wertung. Der andere lässt sich in langsamer Fahrt (25 - 30 km/h) zurückfallen, um nach ca. ein bis zwei Runden (aus seiner Sicht) von seinem Kollegen eingeholt zu werden. Durch das Anschieben mittels Schleudergriff kann er ohne große Anstrengung in Sekundenschnelle auf das Tempo des Feldes beschleunigen (ca. 45 - 55 km/h) und das Rennen an Stelle seines Kollegen fortsetzen.

Technisch ist der Schleudergriff recht anspruchsvoll, weshalb er auch bei den Amateuren lange Zeit verboten war. Es müssen nämlich während des gesamten Vorganges beide Fahrer den Lenker mit einer Hand halten. Der sich von hinten nähernde Fahrer behält die linke Hand am Lenker und hält diesen am Oberlenker nahe dem Vorbau, während der vordere Fahrer den Lenker mit der rechten Hand im Bügel (unten) hält und sich mit der linken Hand an der ausgestreckten Hand des Partners „abzieht“ (wie in diesem Video).

Vor der „Erfindung“ des Schleudergriffs und bis in die 80er Jahre bei den Amateuren wurde statt des Schleudergriffs die Anschiebetechnik verwendet: In einer Innentasche auf der linken Seite der Hose des Fahrers befand sich ein ca. 12 cm langer und 4–5 cm dicker Knauf (aus zusammengerolltem und mit Klebeband zusammengehaltenem Material). Dieser wurde vom Teamkollegen im Heranfahren ergriffen und daraufhin der Kollege angeschoben, im Rennfahrerjargon „reingeschoben“ oder „ins Rennen geschoben“. Da bei dieser Technik der Gesamthub des Ablösevorgangs wesentlich kürzer ist, war diese Technik deutlich kraftraubender als der Schleudergriff.

Beide Techniken stellen auch hohe Anforderungen an die Konkurrenten, weil der Nachfolger beide Fahrer der sich ablösenden Mannschaft rechtzeitig mit großem Abstand umfahren muss, um nicht auf sie aufzufahren („in die Ablösung fahren“). Das würde unweigerlich zu einem schweren Sturz der beteiligten Fahrer führen.

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