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Unter einer Lenkerhaltung versteht man im Radrennsport die Art, wie der Lenker situationsabhängig vom Fahrer gehalten wird. Dabei kommt es sowohl auf eine effiziente Kraftübertragung als auch auf Gesichtspunkte der schonenden Körperhaltung und Bequemlichkeit an, da Trainingsfahrten, aber auch Rennen bisweilen über 7 Std. dauern können.

Eine grobe Unterscheidung kennt folgende Haltungen:

Unterlenkerhaltung Bearbeiten

Hier wird der Lenker an verschiedenen Stellen des Bogens, den er nach unten beschreibt ("Bügel") gehalten. Grob kann man sagen, daß der Lenker in Abhängigkeit von der Art der Leistungserbringung – eher Sprint oder eher Ausdauer – weiter in der Biegung (Nähe Bremsgriff, beim Sprint) bzw. weiter an den Lenkerenden (Ausdauer) gehalten wird.

Allerdings ist diese Haltung sehr individuell. Extrem weit am Lenkerende greifende Fahrer zeichnen sich oft auch durch einen insgesamt eleganten Fahrstil aus (bspw. Dietrich Thurau) – verallgemeinern läßt sich dies indessen nicht.

Von dieser Haltung „im Bügel“ stammt auch der Radsportjargon-Ausdruck „bügeln“ im Sinne von „sehr angestrengt, konzentriert und schnell fahren“.

Bremsgriffhaltung Bearbeiten

Bremsgriffhaltungen sind die bei weitem am häufigsten sowohl im Training als auch im Straßenrennen praktizierten Lenkerhaltungen.

Die Bremsgriffhaltungen können auch grob den Oberlenkerhaltungen zugerechnet werden – eine „normierte“ Begrifflichkeit gibt es hier nicht. Die Bremsgriffhaltung hat aber überwiegend Funktionen, die sich von denen der Oberlenkerhaltungen deutlich unterscheiden: Meistens steht wie bei den Unterlenkerhaltungen die Entwicklung von Gegenkräften zu denen der Beine im Vordergrund, wobei eine effiziente Verbindung mit Aspekten der Minimierung des Luftwiderstandes und der Bequemlichkeit angestrebt werden. Verallgemeinernd kann formuliert werden: „Die Bremsgriffhaltung ist die Haltung der langandauernden, intensiven Ausdauerfahrt.“

Sie wird dementsprechend von den Fahrern im Training – von manchen nur bei intensiveren Fahrten/Abschnitten, von manchen im gesamten Training – angewandt sowie im Rennen bei langen Alleinfahrten.

Entgegen nach wie vor weit verbreitetem Vorurteil ist der Luftwiderstand bei der Bremsgriffhaltung nicht so deutlich größer als bei der Unterlenkerhaltung. Ein „Unikum“ ist unter diesem Aspekt der spanische Bahnradrennfahrer Juan Llaneras, der die Bremsgriffhaltung im übertragenen Sinne im Bahnrennen einsetzt, wo es ja gar keine Bremsen gibt. Die genaue Beschreibung findet sich unten unter „Bremsgriffhaltung nach innen verdreht“. Llaneras setzt diese Haltung vor allem bei Ausreißversuchen ein. Dazu muß man wissen, daß er seine Ausreißversuche deutlich „langsamer“ vorträgt als bspw. Fahrer wie Bruno Risi. Unter den Bahnrennfahrern ist Llaneras also eher auf aerobe Leistung und nicht wie Risi auf einen möglichst schnellen Abschluß, der nur durch eine hochintensive Leistung im hoch anaeroben Bereich möglich ist, orientiert (Risi: Rundengewinne innerhalb von bis zu 5 Runden, Llaneras eher > 10 Runden). Als Optimum aus notwendiger Atemfreiheit und größtmöglicher Minimierung des Luftwiderstandes ist die Bremsgriffhaltung der beste Kompromiß.

Unter dem Gesichtspunkt der Atemfreiheit wird vor allem die Verdrehung der Hände nach innen bzw. außen praktiziert, am Berg wird man stets versuchen, die Hände leicht nach außen zu drehen und die Arme im Ellenbogen leicht anzuwinkeln, damit die Oberarme nicht den Brustkorb verengen, bei schnellen Fahrten im Flachen oder auf der Bahn wird man sie eher nach innen verdrehen – dazu s. die entsprechenden Abschnitte.

Traditionelle Bremsgriffhaltung Bearbeiten

Da im Radrennen das Fahren im Stehen („aus dem Sattel gehen“, „Wiegetritt“) von großer Wichtigkeit ist – sowohl bei Bergauffahrten wie bei Antritten nach Kurven, und bei Attacken –, ist es auch die entsprechende Lenkerhaltung. Zwar wird bei Bahnrennen und kurzen Straßenrennen im Jugend- und Juniorenbereich fast nur in Unterlenkerhaltung gefahren, aber je länger ein Rennen ist, desto eher ist die Bremsgriffhaltung auch bei Antritten die vorherrschende.

Bei Bergauffahrten im Wiegetritt es es so gut wie unmöglich, in Unterlenkerhaltung zu fahren – wobei auch hier Ausnahmen wie Marco Pantani die Regel bestätigen.

Bei diesen Aktionen bzw. Fahrstilen treten hohe Kraftspitzen auf, ein sicherer, fester und gleichzeitig über lange Zeit aufrechtzuerhaltender Griff des Lenkers ist also wichtig. Dazu wird der Sockel des Bremsgriffs im Extremfall mit der gesamten Hand umfaßt, wobei der Daumen stets auf der Innenseite liegt. Viele Fahrer legen den Zeigefinger vorne über den Bremshebel, einige tun dies auch mit dem Mittelfinger.

Typisch ist aber für alle Varianten dieser Haltung, daß die Daumen-Zeigefinger-Gabelung fest in der Muldung des Bremsgriffsockels liegt. Dies gewährleistet den sichersten Griff bei dieser Haltung.

Beim Fahren im Sitzen wird diese Haltung ebenso angewandt, wobei der Daumenballen (anat. Thenarmuskulatur) auf der Innenseite des Bremsgriffsockels anliegt. Die Übergänge zur nach hinten versetzten Haltung sind fließend.

Bremsgriffhaltung nach hinten versetzt Bearbeiten

Hierbei wird der Lenker so gehalten, daß die Innenflächen der Hände auf der Biegung des Lenkers nach vorne zu liegen kommen und die Finger (Daumen innen, Zeige- und Mittelfinger außen) nur mit den Endgliedern am Bremsgriff liegen. Die für die Bremsgriffhaltung typische Berührung des Bremsgriffes mit der Daumen/Zeigefinger-Gabelung kommt hier also überhaupt nicht vor.

Eine ähnliche Haltung wird auch von vielen Bahnradfahrern zur Entspannung zwischen Wettbewerben und Belastungsphasen oder bei zügigen Fahrten im Training angewandt, während bei intensiver Fahrweise dort fast ausschließlich die Unterlenkerhaltung vorkommt.

Bremsgriffhaltung nach innen verdreht Bearbeiten

Diese Haltung setzt zunächst einmal einen leicht nach hinten versetzten Griff des Lenkers voraus. Wie oben bereits angesprochen wird die Verdrehung der Hände nach innen oder außen vom angestrebten Zweck bestimmt, grundsätzlich gilt: nach innen = bessere Aerodynamik – nach außen = größere Atemfreiheit. Entsprechend praktizieren Fahrer, die wie Juan Llaneras (vgl. oben) die Bremsgriffhaltung bei schneller Fahrt benutzen, eher die nach innen verdrehte Variante.

„nachgemachte“ Zeitfahrhaltung Bearbeiten

Eine Besonderheit zwischen Bremsgriffhaltung und Oberlenkerhaltung – man könnte sie auch den Oberlenkerhaltungen zurechnen – ist eine Haltung die der Zeitfahrhaltung (s.u.) nachempfunden ist. Sie wird aber bei normalem Bügellenker verwendet und versucht auf andere Art als die Bremsgriffhaltungen Atemfreiheit und Aerodynamik, die stets im Gegensatz stehen, zu optimieren.

Dabei werden lediglich die Unterarme etwas über dem Handgelenk auf die Lenkstange (Oberlenker) aufgelegt, die Hände „baumeln“ relativ entspannt herunter. Dem Ungeübten fällt hierbei das Lenken schwerer – Fahrer, die im Zeitfahren einen Zeitfahrlenker benutzen haben es da leichter. Diese Haltung findet ebenfalls auf der Straße wie auf der Bahn Verwendung.

Oberlenkerhaltung Bearbeiten

Zeitfahrhaltung Bearbeiten

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