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Begriffsklärung Dieser Artikel handelt von Fahrraddenkmälern für von Autofahrern getötete Radfahrer, für die Fahrradmarke Ghost siehe Ghost.
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Ghost bike in Chicago

Datei:Ghost bike e memorial.jpg

(ghost bike - Geisterrad)

Datei:Eric Ng Time's Up! Memorial Ghost Bike 2.jpg

Ein ghost bike oder ghostcycle ist ein Fahrrad, das als Gedenken an von Kraftfahrzeugen verletzten oder getöteten Radfahrern an Plätzen abgestellt wird, an denen der Unfall stattgefunden hat und ist eine Mahnung an Autofahrer, die Straßen gemeinsam zu benutzen. [1] Im deutschsprachigen Raum werden Ghost-bikes deswegen auch manchmal als Mahnräder bezeichnet. [2] Ein Schrottfahrrad wird meist weiss angemalt und an einem passenden Platz in der Nähe des Unfalls angeschlossen. Oft wird auch ein weisser Anschlag mit Buchstaben in roter Farbe am Fahrrad befestigt. Diese Denkmäler, die meist von Fahrradgruppen errichtet wurden, sind vordergründig als politische Aussagen anzusehen, im Gegensatz zu den klassischen Straßendenkmälern, die mehr persönlicher Natur sind.

GeschichteBearbeiten

Das erste Ghost-Bike-Projekt wurde in St. Louis, Missouri (Vereinigte Staaten) im Oktober 2003 errichtet. Dies geschah, nachdem ein Autofahrer einen Radfahrer auf einer Radspur am Holly Hills Boulevard angefahren hatte. Patrick Van Der Tuin platzierte ein weiss angemaltes Fahrrad mit einem handbeschrieben Schild, auf dem geschrieben stand: "Cyclist Struck Here" ("Hier wurde ein Fahrradfahrer angefahren"). Aufgrund der Wirkung auf Autofahrer errichtete er mit der Hilfe von Freunden weitere 15 "ghost bikes" an bekannten Plätzen in der Umgebung von St. Louis, wo kürzlich andere Radfahrer von Autofahrern angefahren wurden. [3]

Ähnliche Projekte gab es 2004 in Pittsburgh, [4] New York City, [5] 2005 in Seattle, Washington [1] und 2006 in Chicago [6]. In London wurden 2005 und 2006 "ghost bikes" errichtet. [7] Weitere Projekte gab es in dutzenden von Städten in der Welt. [8]

2002 begann der Künstler Jo Slota aus San Francisco ein Projekt, genannt Ghostcycles, das ausgesprochen künstlerischer Art war. [9] Dazu verwendete er verweiste Fahrräder, bemalte sie weiss und stellte Bilder von ihnen auf seine Webseite. [10]

Ghost-bikes in den MetropolenBearbeiten

BerlinBearbeiten

Siehe auch Ghost bikes in Berlin (Karte).

Ghost bike - Einsteinufer.jpg

Geisterrad an der Kreuzung Einsteinufer/Straße des 17. Juni in Charlottenburg/Wilmersdorf, eins der elf am 13. März 2009 aufgestellten Räder

Geisterrad - Berlin - Bethaniendamm - Köpenicker Str. 2.jpg

Geisterrad an der Kreuzung Bethaniendamm/Köpenicker Straße in Kreuzberg, das letzte der elf am 13. März 2009 aufgestellten Räder

Berlins erstes recherchierbares Ghost-bike wurde im April oder Mai 2007 an der Kreuzung Ostseestraße und Greifswalder Straße im Bezirk Pankow aufgestellt, nachdem ein Radfahrer dort am 16.04.2007 von einem rechtsabbiegendem LKW-fahrer getötet wurde. Am 03.08.2007 wurde dort erneut eine Radfahrerin getötet. Am nächsten Tag sei das Mahnrad verschwunden gewesen. [11][2]

Mitte März 2009 wurden vom ADFC Berlin in der Aktion "Geisterräder" gleich elf Stück aufgestellt. Diese Geisterräder stehen repräsentativ für die elf im Jahr 2008 von Kraftfahrzeugen getöteten Radfahrer an den Plätzen in Berlin, an denen der Unfall stattgefunden hat. Unter anderem wurde eine erst 14 Jahre alte Radfahrerin am Tempelhofer Damm, in Höhe Oberlandstraße, am 11. März von einem LKW überrolt, als sie vom Gehweg auf die Straße wechseln wollte. Dieser Unfall erhielt große Medienaufmerksamkeit, kritisiert wurde vor allem die für Radfahrer besonders gefährliche Verkehrsführung an dieser Stelle.

Weitere Standorte der Geisterräder sind die Kreuzungen Bethaniendamm/Köpenicker Straße in Kreuzberg, Straße des 17. Juni/Einsteinufer in Charlottenburg, Mollstraße/Otto-Braun-Straße in Mitte, Pistoriusstraße/Gustaf-Adolfstraße in Weißensee, Landsberger Allee/Weißenseer Weg in Hohenschönhausen, die Mahlsdorfer Straße Höhe Kaulsdorfer Straße in Oberschöneweide, die Ecke Großbeerenstraße/Daimlerstraße in Marienfelde, die Reichsstraße in Höhe Kirschenalle in Charlottenburg, die Nonnendammallee Ecke Gartenfelder Straße in Spandau und die Landsberger Alle westlich der Ringenwalder Straße in Marzahn. Auffällig ist das oft fortgeschrittene Alter der getöteten Radfahrer und die Häufung der Beteiligung von LKWs.[12]

GrazBearbeiten

Aufgrund eines am 12. November 2008 durch einen LKW-Fahrer zu Tode gekommenen 27-jährigen Radfahrers wurde am 6. Dezember ein Ghost-bike während eines Memorial Rides bei der Unterführung am Don Bosco aufgestellt. Die Radlobby Argus und Leute der Fahrradküche organisierten die Aufstellung. Bereits im November, bei der monatlichen Grazer Critical Mass, sei das allererste Ghost-bike der Stadt am Südtiroler Platz für eine Woche aufgestellt worden. [13][14]

WienBearbeiten

In Wien wurde das erste Ghost-bike am 18. März 2008 an der Ecke Felberstrasse/Schweglerstrasse von der IG-Fahrrad aufgestellt. Dort wurde eine Radfahrerin im Jahr zuvor durch einem rechtsabbiegendem LKW erfasst und tödlich verletzt. Zwei weitere Ghost-bikes seien bei der Wiener Critical Mass am 21. März errichtet worden. Die Aufstellung des ersten mahnenden Rades wurde mit großem Mediencho bedacht. [15]

Nachdem es schon nach dem ersten Aufstellen Aufregung in der Bevölkerung und Probleme mit den Behörden gegeben habe [15], das erste Ghost bike sei schon kurz nach dem Aufstellen versetzt worden, seien alle Räder schließlich im April 2008 im Auftrag der zuständigen Magistratsabteilung MA 48 entfernt und die IG Fahrrad sogar mit den Gebühren von 62€ zur Entfernung der Räder bedacht worden [16][17].

Im Juli 2008 seien jedoch wieder Ghost-bikes in Wien gesichtet worden.[17]

Nachdem am 15. Oktober 2008 innerhalb weniger Stunden zwei Radfahrer im Wiener Straßenverkehr getötet wurden, wurden am darauffolgenden Samstag im Verlauf eines Memorial-Rides unter Polizeibegleitung zwei Ghost-bikes an der Oberen Donaustrasse 45a und an der Ecke zur Stella-Klein-Löw-Gasse, in der Nähe des Praterstadion, aufgestellt. Einer der getöteten Radfahrer sei regelmäßig bei der Wiener Critical Mass mitgefahren. [18]

Am 27. Oktober 2008 wurde innerhalb weniger Wochen erneut ein Radfahrer in Wien durch einen abbiegenden LKW getötet. Im Verlauf eines Memorial-Rides, der durch Aktivisten der Wiener Critical Mass, den Grünen und der IG-Fahrrad unterstützt wurde, ist ein weiteres Ghost-bike in Wien in der Taborstrasse aufgestellt worden. [19]

Bei der CM am 16.11.2008 wurde erneut ein Ghostbike in Wien aufgestellt. Diesmal an der Kreuzung Puchberger Straße/Leublingasse, an der 2007 ein Radfahrer durch einen Autofahrer oder eine Autofahrerin umgekommen ist.

Befürchtungen, dass die Bezirksbehörden die Mahnräder entfernen wollten und um Gerüchten um parteipolitische Organisation der Ghost-Bike-Aufstellungen entgegenzutreten, veranlassten die IG Fahrrad im Januar 2009 ein "Ghostbikes-Factsheet", mit Informationen und Hintergründen zu Ghost-Bikes herauszubringen, das an die Bezirksbehörden gesendet worden sei. [20] Dass die Befürchtungen gerechtfertigt waren zeigte sich, nachdem am 28. Februar bei der Critical Mass gleich fünf neue Ghostbikes aufgestellt wurden. Diese wurden zum zum zehnjährigen Gedenken an eine getötete Radfahrerin und für weitere Tote Radfahrer in den vergangenen Jahren an unterschiedlichen Stellen in Wien errichtet.[21] Schon einige Tage später seien laut einem Beitrag auf der Webseite der Critical Mass Wien vier der fünf Mahnräder und weitere drei von vonherigen Aufstellungen von der Stadtverwaltung entfernt worden.[22][23] Als schnelle Reaktion folgte ein Protestschreiben von Radfahrern der Critical Mass Wien und der Aufruf eine Onlinepetition zu zeichnen, mit dem Ziel der Aktzeptanz der Ghostbikes, um "die Gefahren durch den Autoverkehr sichtbar zu machen" und die Räder als "Beitrag zur Sicherheit des Wiener Radverkehrs" anzusehen.[24]

Siehe auchBearbeiten

LinksBearbeiten

Wikipediaartikel:
„Ghost Bike“

QuellenBearbeiten

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „Ghost_bike“ (Übersetzung en-de) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 26. Oktober 2008 (Permanentlink im Fahrrad-Wiki) und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC-by-sa 3.0). Im Fahrrad-Wiki ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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