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Fahrradgeschichten

KurzgeschichtenBearbeiten

RadkaufBearbeiten

Eine Bekannte war sich mit ihrem Mann einig geworden, dass sie ein neues Rad bekommen sollte. Damit begann für ihn ein wochenlanges Suchen nach dem richtigen Angebot, nach der passenden Technik, nach der optimalen Ausstattung uswusf. Als er sich dann gerüstet fühlte, mit einem Händler auf sachkundiger Basis zu verhandeln, entschlossen sich beide zu einem Besuch im Fahrradladen. In aller Breite und Ausführlichkeit wurden dort mit dem Händler die Für und Wider im aktuellen Angebot durchgesprochen, und nachdem alle möglichen Varianten erwogen und ein paar Räder als engere Auswahl übrig waren, wandten sich beide Männer wieder der Bekannten zu und stellten die entscheidende Frage: "Welches Rad möchtest Du denn nun?". Etwas irritiert durch das vorherige technische Palaver zeigte sie auf eins der anderen Räder im Laden und sagte: "Das gelbe...?"

2 Frauen Bearbeiten

Als meine Frau anfing zu unterrichten, kam sie mit einer Freundin auf die Idee, kleinere Ausflüge in die neue Umgebung per Fahrrad zu machen. Aus der Kinderzeit wussten beide, dass sie Rad fahren können. Fahrräder wurden angeschafft, und eines Tages fuhren beide gemeinsam los, in Richtung zum nächsten Dorf. Die ersten paar hundert Meter verliefen sehr fröhlich und beide wurden sich schnell einig, dass man sich ja erst mal wieder ans Fahren gewöhnen muss. Einig wurde man sich nach weiteren Minuten, dass Radfahren kein Zuckerschlecken ist, aber was sein muss, muss sein. Die gedämpfte Stimmung wurde von Unmut abgelöst, als nach dem dritten Kilometer das Ziel noch nicht zu sehen war. Beim vierten Kilometer begann die Straße über eine längere Strecke leicht anzusteigen, und langsam wuchs Empörung über Strapazen und Unsinn des Fahrradfahrens. Als nach dem sechsten Kilometer nur Bäume, aber weder Ortsschild noch Häuser zu sehen waren, kamen beide übereinstimmend zu dem Schluss, dass es die vernünftigste Lösung ist, endlich umzukehren. (Das Dorf wäre unmittelbar nach der nächsten Kurve zu sehen gewesen.) Danach wurden die Räder längere Zeit sehr stiefmütterlich behandelt. Aber die Dinge entwickeln sich. Heute fährt meine Frau – wenn es sein muss – am Tag auch mal hundert Kilometer oder mehr, ohne damit ein Problem zu haben.

Das widerspenstige SchlossBearbeiten

Es geht um ein ziemlich stabiles Seilschloss mit so einem merkwürdigen Rundschlüssel. Richtig gut war die Handhabung des Verschlusses nie, und eines Tages ging das Schloss nicht mehr auf, als ich das Rad damit am Dünenzaun angeschlossen hatte. Vom Strand stundenlang zum Quartier laufen und das Rad allein lassen wollte ich nicht, also nach ewigem Herumprobieren erst mal aufgegeben und den Zaun inspiziert. Der Stahldraht lief durch eine Krampenöse je Pfahl, und etwa vier Pfähle weiter waren die Drahtenden zusammengedreht. Idee: Aufdrehen, Draht durch die Ösen fädeln, und so wenigstens erst mal das Rad freibekommen (obwohl das Schloss auch noch durch das Hinterrad ging.) Funktionierte bei drei Pfählen auch sehr gut, allerdings war vor der Öse des vierten Pfahles eine Art Knotenverdrehung im Zaundraht, die mit bloßen Händen nicht glattzuziehen war, durch die vierte Öse ging der ganze Draht also nicht mehr. Was nun? Am Pfahl gerüttelt, und der saß im Dünensand nicht besonders fest. Also den ganzen Pfahl aus der Erde gezogen und mit dem ganzen Draht durchs Schloss gefädelt. Hinterher den Zaun wieder leidlich ordentlich aufgebaut. Mein Rad hatte ich nun, aber angeschlossen. Wenige km entfernt wusste ich eine kleine Gaststätte. Also angefangen, das Rad wegzutragen. Nächstes Problem waren die Mücken im Wald hinter der Düne. Mindestens eine Hand war ja für das Fahrrad nötig, das Mückenverjagen mit der anderen Hand war extrem umständlich, nicht sehr erfolgreich, also überhaupt kein Spaß. Ab und zu kamen einzelne Radler vorbei, denen das Tragen eines angeschlossenen Rades offenkundig mindestens merkwürdig vorkam. Angesprochen wurde ich trotzdem kaum. Wenn doch, habe ich den Schlüssel ausgehändigt und gebeten, beim Öffnen meines Schlosses zu helfen. Damit war ich dann rehabilitiert, hatte wenigstens mal beide Hände gegen die Mücken frei, und die Sorgen mit den Mücken hatte jetzt der andere, der am Schloss auch keinen Erfolg hatte. Irgendwann kam ich bei der Gaststätte an und habe am Tresen nach einem Bier und einem Hammer gefragt. Das Bier habe ich bekommen, den Hammer nicht. Meine Idee war, dass sich im Schloss irgendwas verklemmt haben müsste, das ich durch kräftige Erschütterung (=brutale Hammerschläge) wieder zu lösen hoffte. Wegen des fehlenden Hammers habe ich mir dann einen faustgroßen Stein gesucht und damit systematisch auf das Schloss eingedroschen - und nach einer Viertelstunde gab es auf, ging auf, und die Sache war ausgestanden. Noch mal kaufe ich ein Schloss mit diesem Rundschlüssel jedenfalls nicht.

Vom Panzer überrolltBearbeiten

Hat mir ein Bekannter erzählt, als ich ihn nach vielen Jahren wiedertraf: Weil er bei einer kleinen Feierei dabei sein wolllte, aber abzusehen war, dass es nicht ganz ohne Alkohol abgehen würde, ist er sicherheitshalber mit dem Fahrrad gefahren. Dann wurde es wohl doch noch etwas mehr, als beabsichtigt ? jedenfalls auf dem Heimweg per Rad ("natürlich" im Sattel) ging es dann immer zügiger einen etwas steilen, steinigen Feldweg bergab, und das war etwa das letzte, woran er sich noch erinnern konnte. Als er wieder zu sich kam, lag er am Wegrand, und ein zufällig vorbeigekommener Autofahrer fragte ihn besorgt, ob er ihn nach Hause fahren sollte. Eigentlich wollte er das Angebot erst gar nicht annehmen, hatte dann aber so viel Schwierigkeiten, sich aufzurichten, dass er notgedrungen "ja" sagte und sich nach Hause bringen ließ. Am nächsten Morgen im Bett aufwachend konnte er sich keinen Millimeter bewegen, so dass nach dem Arzt geschickt wurde, und nach Transport ins Krankenhaus und Untersuchung wurde ihm mitgeteilt, dass er sich etwa 15 Knochenbrüche zugezogen hatte; der Arzt meinte, das macht den Eindruck, als ob er vom Panzer überrollt worden sei. Jedenfalls hat es einige Monate gedauert, bis die Sache einigermaßen überstanden war. Fazit: Die These "Betrunkenen passiert nichts" scheint auch Ausnahmen zu kennen.

Fahrradklau aufgedecktBearbeiten

Es war einmal ein Junge aus Dresden, dem sein Fahrrad direkt vor dem Wohnhaus von einem Dieb gestohlen wurde. Pflichtbewusst ging er zur Polizei und meldete seinen Verlust und versuchte im stillen Kämmerchen über den Trennungsschmerz hinwegzukommen. Als er sich Wochen später beinahe damit abgefunden hatte (es soll sogar vorgekommen sein, dass er in Läden nach neuen Rädern schielte), trug es sich zu, dass er während eines kurzen Zwischenstopps mit der Straßenbahn sein Fahrrad angeschlossen vor dem Conrad Markt am Dresdner Hauptbahnhof stehen sah. Ohne zu überlegen stieg er die nächste Haltestation aus, platzierte sich geschickt in der Nähe seines angeschlossenen Fahrrads und wartete. Der vermeintlich neue Besitzer ließ nicht lange auf sich warten, bemerkte den Jungen aber, änderte auffällig nervös die Gehrichtung und verschwand um die nächste Hausecke. Der Junge verfolgte ihn eine Weile und stellte ihn in einem geschickten Moment zur Rede. Nach allerlei Ausflüchten und Geschichten vom Mann im Mond verließ der böse Kerl fluchtartig den Ort des Geschehens. Erneut wandte sich der Junge hilfesuchend an die örtliche Polizei, die eilends zur Stelle war. Dank der detaillierten Verlustmeldung wurde das arme Fahrrad von seinen eisernen Ketten befreit und dem wahren Besitzer wieder übergeben. Und wenn sie nicht gestürzt sind, so radeln sie noch heute gemeinsam durch die Dresdner Stadt. Was lernen wir aus der Geschichte? 1. Augen auf nach jedem Klau 2. Fahrrad mit eindeutig identifizierbaren Details versehen (wer hat denn schon die Rahmennummer) 3. Die Polizei sagte dem Jungen, dass er den Bösewicht mit Gewalt hätte festhalten können, bis die Beamten die Sache aufklären hätten können

Das 1. eigene RadBearbeiten

Wir Dorfkinder brachten uns das Radfahren selbst bei, auf den Pedalen stehend, wenn eben mal ein Damenrad frei war. Als ich etwa zehn bin, entscheiden die Eltern: der Junge bekommt ein Fahrrad. Meine Mutter nimmt mich mit in die Stadt und kauft – auf Zuwachs natürlich – ein 26-er Herrenrad. Um die Umständlichkeit eines Radtransports per Zug zu sparen, gehen wir die 5 km zurück zu Fuß: ein ruhiger Landweg. Raus aus der Stadt will ich aufs Rad und meine Mutter möchte wohl auch wissen, wie ich damit zurecht komme. Sie hilft mir über die Querstange – mit einem Herrenrad bin ich nie gefahren. Nach wenigen Metern wird mir klar, dass ich das Absteigen von so einem Rad nie geübt habe: Ich kann nicht mehr anhalten. Die Querstange im Schritt reichen die Füße weder bis zum Boden noch bekomme ich das Bein auf die andere Seite. Meine Mutter sieht, wie ich es vergeblich versuche. Sie ruft, ich soll langsam fahren, damit sie mich wieder einholen kann. Wir versuchen beide unser Bestes: Ich habe langsam fahren nie geübt und bekomme Angst, umzufallen. Die Straße fällt kilometerlang leicht ab, das Rad rollt von allein, meine Mutter versucht zu rennen, es reicht nicht. Heute weiß ich, dass man problemlos zur Seite kippt, wenn man einfach bremst. Damals weiß ich es nicht und habe panische Angst, zu stürzen. Ich suche einen halbhohen Gegenstand, um beim Anhalten den Fuß da abzustützen. Kilometersteine bieten sich an, aber nie gelingt mir, gleichzeitig langsam genug und genau genug so einen Stein zu erwischen. Auch das verfolgt meine Mutter mit wachsender Sorge und Atemnot. Es ist ein Drama. Und voraus droht die Katastrophe, denn da kreuzt unser Weg eine Landstraße, auf der immerhin alle paar Minuten ein Auto fährt. Wir kommen der Landstraße immer näher, beide mit der wachsenden Sorge, dass im falschen Moment ein Auto kommen könnte. Um es kurz zu machen: es kommt kein Auto, und wir haben Glück, dass kurz danach eine Brücke mit Seitenabsätzen kommt, auf denen ich mich endlich abstützen kann.


Siehe auch Bearbeiten

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