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Der Ausdruck Ablösung bezeichnet im Radsport zwei recht unterschiedliche Aktionen:

  • die Ablösung eines Fahrers, der in einem Fahrerfeld oder einer Gruppe die Führungsarbeit leistet, durch den ihm folgenden Fahrer
  • die Ablösung eines Fahrers durch seinen Partner beim Zweier-Mannschaftsfahren auf der Bahn.

Beiden Aktionen ist der Zweck gemein: Der Fahrer, der vor der Ablösung den Hauptteil der Arbeit geleistet hat, soll die Gelegenheit zur Regeneration erhalten.

Ablösung in Gruppen von Fahrern zum FührungswechselBearbeiten

Standards für die AblösungBearbeiten

In einer Fahrergruppe wird abgelöst, indem der in einer Reihe von Fahrern an zweiter Stelle liegende Fahrer die Führungsarbeit übernimmt und sich der vormals Führende zurückfallen läßt und am Ende oder an einer anderen Stelle wieder in die Fahrerkette einreiht. Dieses Manöver findet sowohl im Rennen als auch im Training statt, wobei es einige spezifische Unterschiede gibt.

Folgende Formen der Ablösung kommen/kamen zum Einsatz (allen Formen ist die der Situation entsprechend optimale Ausnutzung des Windschattens und arbeitsteilige Führungsarbeit gemein):

  • normale Ablösung innerhalb einer Fahrerkette (Feld oder Gruppe) nach etwa 200–300m Führungsarbeit: Der Fahrer schert zur Straßenmitte, zur windzugewandten Seite oder zur vorher durch Schulterblick oder Ausklappen des Ellbogens angedeuteten Seite aus und läßt sich mit einem etwa 5km/h unter der Gruppengeschwindigkeit liegenden Tempo zurückfallen. Je nach Rennsituation, Aufgabenverteilung im Team und Erschöpfungszustand reiht er sich entweder am Ende der Gruppe oder mehr oder weniger weit vorn wieder ein. Im Gegensatz zur Bahn wird beim Ausklappen des Ellbogens zu der entgegengesetzten Seite hin abgelöst, also: rechter Ellbogen ausgeklappt bedeutet, der Fahrer schert nach links aus, er weist sozusagen dem folgenden Fahrer den Weg. Auf der Bahn, wo in der Regel nach rechts (d.h. nach oben) abgelöst wird, klappt der Fahrer den rechten Ellenbogen wie eine Art Fahrtrichtungsanzeiger aus.
  • Überkopfablösung: Diese Ablösungsform wird heute nicht mehr praktiziert. Sie birgt ein hohes Sturzrisiko, ist aber im Ergebnis wesentlich effizienter als die normale Ablösung. Sie macht nur Sinn bei deutlich von der Seite einfallendem Wind und geht folgendermaßen vonstatten: Statt zur windzugewandten Seite abzulösen, beschleunigt der aus der Führung gehende Fahrer kurz, damit sein Nachfolger sich beim anschließenden Manöver nicht an seinem Hinterrad „aufhängt“. Dieser fährt nämlich seitlich versetzt hinter ihm, wobei bei deutlichem Seitenwind sein Vorderrad mindestens auf Höhe der Hinterradnabe des Führenden liegt. Anschließend löst der Führende zur windabgewandten Seite ab (Wind von rechts – Ablösung nach links). Nachdem er sich zurück hat fallen lassen, muß der abgelöste Fahrer nur noch kurz beschleunigen, um sich wieder in den Windschatten des letzten Fahrers zu begeben. Der Vorteil dieser Ablösung liegt darin, daß der ablösende Fahrer nicht, wie bei der normalen Windstaffel, das Hinterrad des letzten Fahrers umfahren und – „im Wind stehend“ – stark beschleunigen muß. Der Nachteil liegt im Sturzrisiko bei der Ablösung, bei der der Fahrer „über kopf“ um das Vorderrad des Nachfolgenden herumfahren muß.
  • verkürzte Ablösung im belgischen Kreisel: Hier muß eine wesentlich kürze Fürhung gefahren werden, weil der Fahrer in dem Moment ausschert, wo sein Hinterrad sich vor dem Vorderrad des vor ihm abgelösten Fahrers befindet. Dieser soll dadurch die Gelegenheit bekommen, auch auf dem „Rückweg“ zum Ende der Gruppe Windschatten zu haben, Details s. dort.
  • Ablösung in der Doppelreihe: Diese Form kommt vor allem im Training zum Einsatz. Dort wird in der Regel die Führungsdauer auf bis zu 2km verlängert. Der Führungswechsel erfolgt durch Ausscheren beider führenden Fahrer (i.d.R. gleichzeitig) nach außen. Um ein wenig Platz zu sparen, lassen sich die beiden Fahrer nicht auf exakt gleicher Hoehe zurueckfallen, sondern um mehr als eine Radlaenge versetzt. Da in dieser Phase drei bis vier Fahrer nebeneinander fahren, erfordert dieses Manöver Übersicht, Übung und eine verkehrsarme Situation. Der weitere Ablauf ist wie bei der normalen Ablösung.

Besonderheiten der Ablösung auf der BahnBearbeiten

Im Bahnradsport kommt die Ablösung zunächst genauso zur Anwendung wie im Straßenrennsport. Allerdings gibt es Besonderheiten:

  • Als Zeichen für den nachfolgenden Fahrer, daß der Führende sich ablösen lassen will, wird wie auf der Straße das Ausklappen des Ellbogens verwendet. Allerdings wird hierbei der rechte Ellbogen ausgeklappt (wie ein Fahrtrichtungsanzeiger). Damit kündigt der Fahrer an, daß er nach rechts (= oben) ausscheren wird. Auf der Straße würde diese Bewegung als „fahr dort (hier also rechts) vorbei!“ interpretiert werden, der Führende würde dann nach links ausscheren. Abgesehen von diesem unterschiedlichen „Dialekt“ der Zeichensprache ist es auf der Bahn natürlich unsinnig, nach links abzulösen, vgl. den nächsten Punkt.
  • Der schwierigste Moment für einen ablösenden Fahrer ist der, in dem er sich wieder hinten in die Reihe anordnen möchte. Dazu muß er kurz beschleunigen, was aufgrund der Erschöpfung durch die Führungsarbeit schwerfällt. Auf der Bahn besteht an dieser Stelle die Möglichkeit, die Physik für sich arbeiten zu lassen. Aufgrund der Kurvenüberhöhung hat der Fahrer die Möglichkeit, seine Bewegungsernergie durch Hochfahren teilweise in Lageenergie umzuwandeln. Durch die geringere Geschwindigkeit, die er – im oberen Drittel der Bahn fahrend – ist die Ablösung für ihn vom ersten Moment an eine echte Regeneration, während er auf der Straße, oftmals bei kräftigem Gegenwind, nicht allzu langsam werden darf, um sich entsprechend einreihen zu können. Anders auf der Bahn: Der Fahrer wartet in der Regel, bis er auf gleicher Höhe mit dem letzten Fahrer ist und läßt sich dann einfach von oben abkippen. Mit einiger Übung landet er damit exakt am Hinterrad des letzten Mannes und hat die Geschwindigkeit der Gruppe wieder erreicht, weil ihn das Abkippen automatisch entsprechend beschleunigt hat.

Ablösung beim Zweiermannschaftsfahren (Madison)Bearbeiten

Im Zweiermannschaftsfahren kommt eine weitere Ablösungsform zum Einsatz, die nicht als Ersatz für die oben beschriebene anzusehen ist, sondern mit dem speziellen Austragungsmodus des Zweiermannschaftsfahrens zusammenhängt.

Das Madison-Rennen ist eine Art Staffellauf mit permanentem Wechsel, bei dem die Fahrer sich ständig gegenseitig überrunden (Näheres s. den Hauptartikel Madison). Einer der beiden Fahrer (der von hinten kommende, schneller fahrende) löst dabei seinen Partner ab. Im Folgenden wird der Ablauf detailliert geschildert:

Ablauf der AblösungBearbeiten

Es gibt folgende Phasen bei der Ablösung – man kann den Vorgang in dem unter Weblinks verlinkten Stream mitverfolgen (am besten die Mannschaft mit den blauen Milram-Trikots, Zabel/Risi; die Sekunden-Angaben in Klammern dienen der Orientierung):

  • Geschlossenes Fahrerfeld, die Fahrer fahren in einer Reihe am unteren Bahnrand und nähern sich dem über der Ablöselinie fahrenden Erik Zabel, Bruno Risi befindet sich also im Rennen, d.h. in 8der Wertung und fährt an 2. Stelle der Fahrerreihe. Nun bewegt sich sein Partner Zabel bereits nach unten und beschleunigt dabei, wenn die Spitze des Feldes ihn erreicht (Sek. 7,5).
  • Der ablösende Fahrer (Zabel) läßt das Fahrerfeld (in diesem Fall ist das nur ein Fahrer, nämlich der an der Spitze liegende) im Abstand von ca. 1m links an sich vorbeifahren und greift den Lenker in Unterlenkerhaltung. Ohne sich umzublicken hält er rechtzeitig die linke Hand heraus (Sek. 8).
  • Risi faßt den Lenker rechtzeitig in Oberlenkerhaltung. Hat er seinen Partner erreicht, streckt er die rechte Hand aus.
  • Zabel zieht sich mit seiner linken Hand an der ausgestreckten rechten Hand seines Partners ab und beschleunigt dabei (Sek. 10). Bei dieser Beschleunigung wird er durch die von seinem Partner auf ihn übergehende Bewegungsenergie (Impulserhaltung) unterstützt.
  • Der Fahrer, der vor der Ablösung am Hinterrad des abzulösenden Fahrers (hier Risi) fuhr, setzt rechtzeitig vor der Ablösung zu einem Bogen an, in dem er die beiden sich ablösenden Fahrer weiträumig, d.h. mit einem Sicherheitsabstand, der durchaus 1m betragen sollte, umfährt. Im Video ist dies nicht so deutlich, weil der drittplazierte Fahrer ein wenig auf Risi hatte abreißen lassen. Auf keinen Fall darf es dazu kommen, daß er den beiden „in die Ablösung fährt“, ein gefährlicher Sturz aller drei Fahrer wäre die Folge.
  • Nach Abschluß der Ablösung befindet sich der vorher Drittplazierte (schwarzes Trikot) bereits wieder hinter Zabel. Dieser sucht nun seinerseits wieder das Hinterrad des unbeteiligten, vorausfahrenden Fahrers. Nach dem Manöver ist also die Reihenfolge der Mannschaften bzw. ihrer Vertreter i.d.R. die gleiche wie vorher.
  • Alle nachfolgenden Fahrer fahren am abgelösten Fahrer vorbei, der sich nach Durchfahrt des letzten Fahrers zügig in Richtung blaue Linie bewegt, ca. zwei Runden später wiederholt sich der ganze Vorgang (in diesem Falle nicht, weil das Rennen eine Runde später zuende war).

Techniken der AblösungBearbeiten

Es kommen zwei unterschiedliche Ablösetechniken zum Einsatz, wobei heute auf die alte Anschiebetechnik auch in der Ausbildung der Fahrer weitgehend verzichtet wird. Sie wird im Artikel Schleudergriff erläutert. Letztgenannter kommt heute fast ausschließlich zum Einsatz, der Ablauf ist oben implizit beschrieben. Bis vor etwa 20 Jahren war er im Amateur- später im Juniorenbereich verboten. Es mußte mit der Anschiebetechnik abgelöst werden.

Einsatz beider Arten von Ablösung im Madison-RennenBearbeiten

Die beiden beschriebenen Arten der Ablösung sind vollkommen unabhängig von einander. Es handelt sich um zwei Manöver im Radsport, die – historisch gewachsen – mit dem gleichen Terminus bezeichnet werden.

Im Zweiermannschaftsrennen kommen sie sogar beide zum Einsatz: Löst sich bspw. eine Spitzengruppe vom Hauptfeld, so lösen sich die Mannschaften wie oben beschrieben in der Führungsarbeit ab, d.h ein im Rennen befindlicher Fahrer, der an der Spitze fährt, läßt sich ablösen, indem er nach oben fährt und sich hinten wieder anschließt. Gleichzeitig lösen sich die Fahrer einer Mannschaft untereinander in der Art ab, wie sie im Abschnitt Ablösung beim Zweiermannschaftsfahren beschrieben wurde. Gut ist dieses Nebeneinander der beiden Aktionen zu beobachten in dem 2., unter Weblinks verlinkten Stream.

WeblinksBearbeiten

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